Was ist eine Übersetzung?

Übersetzungen können nicht lediglich als sprachliche Ersetzung gesehen werden, sondern vielmehr als kommunikative, gut durchdachte und kreative Interaktionen zwischen Mitgliedern verschiedener Kulturgemeinschaften. Es steckt also vielmehr dahinter, als das sture Wort für Wort Ersetzen von Begriffen. Es gibt eine Vielzahl an Dingen die beachtet werden müssen, um wirklich ansprechende und vor allem gut verständliche Resultate zu erzielen. Man könnte sagen, Übersetzen ist eine Mischung aus dem Respektieren des Ausgangstextes und der Notwendigkeit, ihn der Sprache, in die er umgewandelt wird, entsprechend anzupassen.

Polysemie: Gleiche Wörter haben mehrere Bedeutungen

Man betrachte das Wort Nagel. Man denkt nun entweder an den Finger- oder Fußnagel am Körper oder an den spitzen Gegenstand aus Metall, der als Befestigungselement dient. Dieses und viele weitere Beispiele tragen dazu bei, dass viele Übersetzungen fehlerhaft oder gar völlig sinnfrei sind. Natürlich kann man häufig anhand des Kontextes erahnen welche Bedeutung nun die richtige ist. "Ich muss mir meine Nägel machen lassen" ist einer der klaren Fälle, bei denen offensichtlich ist, dass es sich nicht um die metallenen Objekte handelt. Jedoch ist nicht jedes Wort derart einfach einzuordnen. Oft liegt es an sehr fachspezifischen Begriffen oder auch einfach an einem fehlenden Kontext, dass es zu Schwierigkeiten kommt. Wenn im Deutschen ohne zusätzliche Informationen beispielweise von einer Feder die Rede ist, ist nicht eindeutig, ob es sich um eine Schreibfeder, eine Vogelfeder, oder gar um eine Sprungfeder handelt. Im technischen Fachgebiet kann bei einer Feder zudem zwischen vielen Typen unterschieden werden. Aus diesem Grund sind Übersetzungen oft mit Fehlern übersäht. Weitere Definitionen und Beschreibungen von verschiedenen Arten von Wörtern und deren Beziehungen zueinander, ähnlich der Polysemie, findet man auf der Seite der Universität Leipzig.

Kultururelle Unterschiede

Eines der wichtigsten Dinge, die bei einer Übersetzung zu beachten ist, ist, dass wirklich alles vom Kontext und Besonderheiten der jeweiligen Kultur abhängt. Kulturelle Besonderheiten können Dialekte, eigene Wörter für Dinge, die es in keiner anderen Sprache gibt oder feine Unterschiede durch kulturelle Ansichten sein. Beim Übersetzen von Dialekten hat man mehrere Möglichkeiten: Auslassen, Anmerken, Ausschreiben oder sinngemäße Alternativen. Spezifische Wörter können oftmals beibehalten werden und zusätzlich erklärt werden. Zum Beispiel ist das Wort "saudade" auf Portugiesisch sehr schwer zu übersetzen, weil es spezifisch für die portugiesische Kultur ist. Es bedeutet, sich nach etwas zu sehnen, das abwesend ist, oder nach jemandem, den man liebt, und man hat dabei ein Gefühl starker Melancholie. Nicht nur spezifische Wörter können ein Problem darstellen. Auch die Art wie man auf eine Person zugeht und diese anspricht ist nicht immer leicht einzuschätzen. Im Spanischen siezt man sich selten, während es im Deutschen als unhöflich gilt, sofort mit dem "Du" einzusteigen. All diese Dinge müssen von Übersetzern bedacht werden und diese müssen folglich mit den Kulturen der Sprachen in die sie übersetzen auch sehr gut vertraut sein.

Einschränkungen innerhalb der Sprachen

In den meisten Fällen fehlt es an exakt äquivalenten, perfekt passenden Wörtern. Es gibt kein Wort wie "Einblick" auf Spanisch oder ein Wort, um "seicht" auf Französisch auszudrücken. Auf Deutsch gibt es das Wort Wanderlust, jedoch gibt es hierfür kein eigenes Wort im Englischen. Jede Sprache hat Einschränkungen, die den Übersetzern den Weg zu einer perfekten Übersetzung erschwert. Im Vergleich zwischen Englisch und Französisch fällt auf, das Französisch, eine geschlechtsspezifische Sprache ist. Man hat männliche und weibliche Pronomen, Substantive und Adjektive. Englisch ist völlig anders. Auf Englisch ist unklar, ob "my friend is coming over" einen Mann oder eine Frau ankündigt, was oft in Filmen oder Büchern zu Verwechslungen führt. Im Französischen ist der Fall klar: das Substantiv wäre entweder männlich "ami" oder weiblich "amie".

Falsche Freunde - eine Stolperfalle

Oft finden sich in zwei oder gar mehreren Sprachen Wörter, die offenbar die gleiche Bedeutung haben, da sie ähnlich oder genau gleich aussehen. Betrachtet man beispielsweise das spanische Wort "embarrazada", könnte man annehmen die Englische Entsprechung sei das Wort "embarrassed". Doch Vorsicht: auf Spanisch bedeutet es "schwanger", während es im Englischen beschreibt, das jemandem etwas unangenehm oder peinlich ist. Das deutsche aktuell, bedeutet auf Englisch (actual) "tatsächlich", während man "aktuell" mit "recent" übersetzt. Dies wird sehr häufig falsch gebraucht. In manchen Sprachen muss man zudem länderspezifische Unterschiede beachten. Im Britischen Englisch bedeutet "vest" "Unterhemd", wohingegen es im Amerikanischen "Weste" bedeutet, was man auf Deutsch leicht erkennen kann, es im Britischen aber oft eine falsche Übersetzung mit sich bringt.

Sprichwörter

Oft fehlt zu manchen fremdsprachlichen Bezeichnungen auch das deutsche Pendant. Zwei kurze Beispiele aus dem Englischen. Wie kann man "to be out of one's mind" übersetzen? "Er ist außerhalb seines Geistes?" Nein, man muss eine ähnliche aber sinngemäße Redewendung finden. Hier würde passen: "Jemand ist nicht ganz bei Sinnen/Trost". Wie sagt man auf Deutsch, jemand sei "not the brightest crayon in the box"? Hier kommt man mit Buntstiften nicht besonders weit. Deutsche Entsprechungen sind "Er ist nicht der Hellste" oder "Er hat die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen". Es wird deutlich, dass man sehr vorsichtig mit Sprichwörtern umgehen sollte, um in der Übersetzung keine Absurditäten einzubauen, die die Qualität erheblich schrumpfen lässt. Einige Beispiele für problematische Sprichwörter findet man auf der Seite der Huffington Post.

Verschiedene Typen der Übersetzung

Es gibt viele verschiedene Typen der Übersetzung, die man je nach Bedarf anwendet. Nachfolgend stehen ein paar der häufigsten Typen.

Dokumentarische Übersetzung Eine Kommunikation, die in der Ausgangskultur stattgefunden hat wird dokumentiert, um dem Leser des Zieltextes bestimmte Aspekte vermitteln zu können.

Wörtliche Übersetzung Hier werden ausgangssprachliche syntaktische Strukturen durch eine gleichbedeutende Zielsprache wiedergegeben. Strukturen werden klar und getreu des Ausgangstextes wiedergegeben.

Exotisierende Übersetzung Die exotisierende Übersetzung dient zur Abbildung des Ausgangstextes in seiner ursprünglichen Situation und wird kaum oder gar nicht an die Zielkultur angepasst.

Instrumentelle Übersetzung Es wird ein Zieltext produziert, ohne dass die Zieltextrezipienten wissen, dass es sich um einen bereits in einer anderen Kommunikationssituation verwendeten Text handelt. Dieser Zieltext soll für die Leser funktionsgerecht sein und keine kulturellen Besonderheiten wiederspiegeln.

Funktionskonstante Übersetzung Bei der funktionskonstanten Übersetzung wird der Ausgangstext an die bestehenden zielkulturellen Textkonventionen angepasst. Beispiele hierfür sind Gebrauchstexte (Anleitungen, Sachtexte, ...) Das heißt, es werden Einheiten wie cm oder kg verwendet, wie es in Deutschland Standard ist. Für eine Englische Anleitung würde man diese durch Feet oder Inches ersetzen und kg durch Pounds.

Korrespondierende Übersetzung Hier werden Redewendungen, kulturelle Besonderheiten, spezielle Wörter usw. an die Zielkultur angepasst, um einen möglichst schönen und passenden Text zu erhalten. Diese Form der Übersetzung wird bei Nachdichtungen und künstlerischen Texten gebraucht.

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